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Definition der Organbeteiligung

Autor(en): Euro Histio Net Work Group for LCH Guidelines, Erstellt am: 09.03.2011, Übersetzer: B. Fahrner / M. Minkov, letzte Aktualisierung: 28.08.2013

Mögliche beteiligte Organe: Knochen, Haut, hämatopoetisches System, Milz, Leber, Lunge, Schleimhäute, Augen, Ohren, Hypophyse, ZNS, andere; Risikoorgane; "Special Sites"

Mögliche beteiligte Organe

Nach der Diagnosesicherung sollte das Ausmaß der Organbeteiligung entsprechend klinischer, biologischer und radiologischer Kriterien erhoben und definiert werden (Tabelle 5).

Risikoorgane

Entsprechend zugrundeliegender Erfahrungen, spricht eine Beteiligung des hämatopoetischen Systems, der Milz oder der Leber für eine schlechtere Prognose; bei fehlendem Therapieansprechen auf die standardisierte Chemotherapie wird eine höhere Mortalität beobachtet [Gadner et al 2001; Gadner et al 2008; Minkov et al 2002].
Nach Übereinkunft spricht eine Beteiligung der Lungen für eine schlechtere Prognose und muss somit als Risiko für den Patienten gewertet werden [Tazi/Soler/Hance 2000; Vassallo et al 2000]. Eine Beteiligung der Lungen erfordert nicht immer eine systemische Therapie (siehe Lokaltherapie / Beobachtung). Lungenbeteiligung alleine rechtfertigt somit nicht mehr die Zuordnung in die Kategorie „Risikoorgane“ im Rahmen der internationalen LCH Studien.
Die Risikoorgane werden in Tabelle 5 aufgezeigt.
.

“Special Sites”

Läsionen in gewissen Körperregionen müssen gesondert betrachtet werden [Donadieu et al, 2004b; Grois et al, 2006; Haupt et al, 2004]. ("Special Sites" in Tabelle 5)
Manchmal liegen Läsionen an anatomisch funktionell heiklen Regionen (Dens axis, Wirbelkörper mit intraspinalem Weichteilprozess). Bei diesen Lokalisationen kann es für den Patienten im Hinblick auf das Fortschreiten der Erkrankung sowie die Gefahr einer eventuellen Lokaltherapie zu akuten Situationen kommen. Isolierte Läsionen an diesen „special sites“ können somit eine systemische Therapie rechtfertigen, nicht aber eine Therapieverlängerung nach Beseitigung des zugrunde liegenden Risikos. Derartige Läsionen müssen von knöchernen Läsionen an anderen Körperstellen unterschieden werden.
Läsionen an kraniofazialen Knochen zählen ebenfalls zu den „special sites“ und können mit Diabetes insipidus assoziiert sein. Detaillierte Informationen diesbezüglich finden sie in Tabelle 5. Aktuelle Studien zeigen, dass der ursprüngliche Befall oder eine Reaktivierung an kraniofazialen Knochen mit einem höheren Risiko verbunden sind, einen Diabetes insipidus zu entwickeln. Dieser kann aber auch schon bei Diagnose vorhanden sein. [Donadieu et al 2004b; Grois et al 2006; Haupt et al 2004].
Eine Beteiligung des zentralen Nervensystems ist selten, kann aber zu schwerwiegenden Problemen führen. Die zugrunde liegende Pathogenese ist nicht vollständig erforscht, eine adäquate Therapie bzw. Prävention existiert bis dato nicht. Patienten mit Befall des zentralen Nervensystems müssen deshalb mit großer Sorgfalt behandelt werden. Der individuelle Fall sollte mit Experten diskutiert werden. [Grois et al 2006]

Tab. 5. Kriterien der Organbeteiligung bei LCH

   
    

Knochen

Special Site

Risikoorgan

Überein- kunft

  • Knochenbeteiligung im Allgemeinen: Alle radiologisch dokumentierten Läsionen, welche nicht unten gelistet sind und durch eine Histologie an der am besten zugänglichen Stelle gesichert sind.
  

+

  • Kraniofaziale Knochenbeteiligung: Läsionen im Bereich der Orbita, des Os temporale, des Mastoides, des Os sphenoidale, des Os zygomaticum, des Os ethmoidale, der Maxilla, der Nasennebenhöhlen, der Schädelgrube; mit intracranialer Weichteilkomponente.

X

 

+

  • Beteiligung der Wirbelkörper ohne Weichteilkomponente (d.h. Vertebra plana wird nicht als “special site” Läsion gezählt)
  

+

  • Beteiligung der Wirbelkörper mit intraspinaler Weichteilkomponente oder Läsionen im Bereich des Dens axis

X

 

+

Abnormalitäten am Tc-Knochen-Scan oder Signalalterationen am MRT ohne entsprechende Symptome oder entsprechenden Veränderungen am Nativröntgen werden nicht als Läsionen gewertet.

  

+

Haut

Special Site

Risikoorgan

Überein- kunft

  • jegliche histologisch gesicherte Exantheme   ODER
  

+

  • jegliche Läsion (erythematöse und verkrustete Makula, Pappeln oder Knötchen mit oder ohne Ulzerationen, Petechien, oder seborrhoische Effloreszenzen) die mit der ursprünglichen Diagnose (Histologie aus einer anderen Körperregion) vereinbar sind.
  

+

Hämatopoetisches System - Mild:

Special Site

Risikoorgan

Überein- kunft

(beide der unten genannten Ereignisse müssen vorkommen)

 

X

+

  • Hämoglobin zwischen 10 g/dl und 7 g/dl (nicht durch eine andere Ursache, wie Eisenmangel, erklärbar)
  

+

  • Thyrombozytopenie mit Thrombozyten zwischen 100.000 und 20.000/mm3
  

+

Hämatopoetisches System - Schwer:

Special Site

Risikoorgan

Überein- kunft

(beide der unten genannten Ereignisse müssen vorkommen)

 

X

+

  • Hämoglobin < 7 g/dl; Eisenmangel ausschließen!
  

+

  • Thrombozyten < 20 000/mm3
  

+

Milz

Special Site

Risikoorgan

Überein- kunft

> 3 cm unter dem Rippenbogen (Medioclavicularlinie), mittels Ultraschall verifiziert

 

X

+

Leber

Special Site

Risikoorgan

Überein- kunft

  • > 3 cm unter dem Rippenbogen (Medioclavicularlinie), mittels Ultraschall verifiziert  ODER
 

X

+

  • Leberfunktionsstörung (Hyperbilirubinämie (3-fach > Normwert), Hypoalbuminämie (< 30 g/dl), γGT erhöht (2-fach > Normwert), ALT- AST 3-fach > Normwert, Aszites, Ödeme   ODER
 

X

+

  • intrahepatische noduläre Raumforderung
 

X

+

Es kann sich auch eine Kombination aus oben beschriebenen Ereignissen zeigen.

   

Lunge

Special Site

Risikoorgan

Überein- kunft

  • Typische computertomographische Bildgebung (Knötchen und Zysten)
 

(X)1

+

  • Jegliche atypische Raumforderung erfordert eine weitere diagnostische Abklärung mittels BAL und Biopsie
 

(X)1

+

Schleimhäute

Special Site

Risikoorgan

Überein- kunft

  • enorale Beteiligung mit Läsionen an Mundschleimhaut/hartem Gaumen
  

+

  • genitale oder anale Läsionen
  

+

Augen

Special Site

Risikoorgan

Überein- kunft

  • orbitale Beteiligung mit Proptose und Exophthalmus

X

 

+

Ohren

Special Site

Risikoorgan

Überein- kunft

  • Beteiligung des Hörorgans mit Otitis externa, Otitis media oder Otorrhoe

X

 

+

Hypophyse

Special Site

Risikoorgan

Überein- kunft

  • jegliche hypophsäre Hormonausfälle   ODER
  

+

  • Raumforderung im Bereich der Hypophysen-Hypothalamusregion
  

+

Zentrales Nervensystem (ZNS)

Special Site

Risikoorgan

Überein- kunft

  • Tumorös: jegliche intrazerebrale Raumforderungen (Gehirn und Meningen)

X

 

+

  • Neurodegeneration mittels MRT dokumentiert: MR - tomographische neurodegenerative Veränderungen 2: Signalabnormalitäten im Bereich des Nucleus dentatus, dem Cerebellum oder Anzeichen einer cerebralen Atrophie welche nicht corticosteroidbedingt erklärbar sind.

X

 

+

  • Klinische Neurodegeneration: Klinisch neurologische Auffälligkeiten (z.B. cerebelläre Aufälligkeiten oder Lernschwierigkeiten) welche mit den MRT Erscheinungen kompatibel sind

X

 

+

  1. Siehe Risikoorgane
  2. Der Terminus radiologische Neurodegeneration wurde definiert um ein bestimmtes Muster an Veränderungen am MRT zu beschreiben, könnte jedoch verwirrend sein, da er kein histopathologisches Korrelat verlangt.
Quellen und Referenzen

[Gadner et al 2001] Gadner H, Grois N, Arico M, Broadbent V, Ceci A, Jakobson A, Komp D, Michaelis J, Nicholson S, Pötschger U, Pritchard J, Ladisch S, Histiocyte Society: A randomized trial of treatment for multisystem Langerhans' cell histiocytosis. The Journal of pediatrics 2001, 138: 728 [PMID: 11343051]

[Gadner et al 2008] Gadner H, Grois N, Pötschger U, Minkov M, Aricò M, Braier J, Broadbent V, Donadieu J, Henter JI, McCarter R, Ladisch S, Histiocyte Society: Improved outcome in multisystem Langerhans cell histiocytosis is associated with therapy intensification. Blood 2008 Mar 1; 111: 2556 [PMID: 18089850]

[Minkov et al 2002] Minkov M, Grois N, Heitger A, Pötschger U, Westermeier T, Gadner H, DAL-HX Study Group: Response to initial treatment of multisystem Langerhans cell histiocytosis: an important prognostic indicator. Medical and pediatric oncology 2002, 39: 581 [PMID: 12376981]

[Tazi/Soler/Hance 2000] Tazi A, Soler P, Hance AJ: Adult pulmonary Langerhans' cell histiocytosis. Thorax 2000, 55: 405 [PMID: 10770823]

[Vassallo et al 2000] Vassallo R, Ryu JH, Colby TV, Hartman T, Limper AH: Pulmonary Langerhans'-cell histiocytosis. The New England journal of medicine 2000 Jun 29; 342: 1969 [PMID: 10877650]

[Donadieu et al 2004b] Donadieu J, Rolon MA, Thomas C, Brugieres L, Plantaz D, Emile JF, Frappaz D, David M, Brauner R, Genereau T, Debray D, Cabrol S, Barthez MA, Hoang-Xuan K, Polak M, French LCH Study Group: Endocrine involvement in pediatric-onset Langerhans' cell histiocytosis: a population-based study. The Journal of pediatrics 2004, 144: 344 [PMID: 15001940]

[Grois et al 2006] Grois N, Pötschger U, Prosch H, Minkov M, Arico M, Braier J, Henter JI, Janka-Schaub G, Ladisch S, Ritter J, Steiner M, Unger E, Gadner H, DALHX- and LCH I and II Study Committee: Risk factors for diabetes insipidus in langerhans cell histiocytosis. Pediatric blood & cancer 2006, 46: 228 [PMID: 16047354]

[Haupt et al 2004] Haupt R, Nanduri V, Calevo MG, Bernstrand C, Braier JL, Broadbent V, Rey G, McClain KL, Janka-Schaub G, Egeler RM: Permanent consequences in Langerhans cell histiocytosis patients: a pilot study from the Histiocyte Society-Late Effects Study Group. Pediatric blood & cancer 2004, 42: 438 [PMID: 15049016]